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Der Landtag ist ein offenes Haus

Pförtnerin Anna Spät © Hessischer Landtag 2021

Warum man trotzdem nicht einfach in die Herzkammer der hessischen Landespolitik spazieren kann.

Anna Spät hat in der sicherheitsverglasten Pförtnerloge alles im Blick. Noch ist es ruhig, aber gegen halb acht jeden Morgen beginnt der Trubel. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landtages kommen zu Fuß und eilen zur Stechuhr. „Guten Morgen Frau Spät“ – einen netten Gruß haben viele auf den Lippen. Wenn jemand mit dem Auto durch das Einfahrtstor in den Innenhof fahren möchte, kontrolliert die Pförtnerin die Farbe der Plakette an der Windschutzscheibe, bevor sie die beiden gläsernen Torflügel per Knopfdruck zur Seite gleiten lässt. Es kann nämlich nicht jeder an jedem Tag mit seinem Fahrzeug hinein. An Plenartagen haben zum Beispiel nur Abgeordnete und bestimmte Mitarbeiter eine Zufahrtsberechtigung. Damit ist sichergestellt, dass alle einen Parkplatz in der Tiefgarage finden.

Ihren Dienst im Hessischen Landtag beginnt die 35 Jahre alte Frau mit dem dunkelblonden Haar um sechs Uhr in der Früh. Als Pförtnerin ist ihr Arbeitsplatz die sogenannte Kavalierhauspforte am Schlossplatz in Wiesbaden. Der Landtag ist ein offenes Haus, das allen Bürgerinnen und Bürgern offenstehen soll. Aber an der Pforte kann trotzdem nicht jeder einfach so vorbeigehen. Sie ist deshalb 24 Stunden an jedem Tag besetzt, auch an den Wochenenden.

Die Pförtnerloge steckt voller Technik. Über vier Bildschirme wird die Liegenschaft des Landtages überwacht, auch der Eingang zu den Büroräumen, die sich außerhalb des Areals befinden. Anna Spät hat nicht nur den Eingang im Auge, sondern auch die Bildschirme. So entgeht ihr nichts. Ein weiterer Touchscreen-Monitor listet die angemeldeten Gäste des Tages auf und, sofern sie mit dem Auto kommen, auch deren Kennzeichen.

Hat Spät die Person eingelassen, drückt sie auf dem Bildschirm den Namen auf Grün, beim Verlassen des Landtages wird der Name dann auf Rot gestellt. So behält die Pförtnerin den Überblick, wer sich gerade auf dem Gelände des Parlaments befindet. Oft sind das eine ganze Menge Leute: Besucher der Abgeordneten, Mitarbeiter der Landesregierung, Teilnehmer an Ausschuss- und Plenarsitzungen, Journalisten, Handwerker und andere Dienstleister.

„Tür öffnen“ und „Tor öffnen“ – das sind die wichtigsten Knöpfe. Doch bevor sie gedrückt werden, bekommen Besucherinnen und Besucher einen Gästeausweis. Um ihn zu erhalten, müssen sie ein Lichtbilddokument, zum Beispiel den Dienstausweis oder den Führerschein, hinterlegen. Außerdem ist in der Pandemie eine Selbsteinschätzung zum Gesundheitszustand fällig – und eventuell ein Corona-Schnelltest, der im Landtag angeboten wird.

Die Anmeldung wird im Raum neben der Pforte erledigt, in der ehemaligen Telefonzentrale. Das übernimmt ein Kollege von Anna Spät, denn die Pförtner versehen ihre Zwölf-Stunden-Schicht
immer zu zweit. Allein wäre der Job auch gar nicht machbar. Insgesamt erledigen 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in verschiedenen Schichtblöcken den Pfortendienst. 

Seit kurzem übernimmt Anna Spät, die Frau mit der freundlichen Stimme, auch die Telefonzentrale. Das kann manchmal anstrengend sein, wenn sich zum Beispiel Anrufer einfach nur über irgendetwas beschweren wollen. Aber auch solche Telefonate machen der Pförtnerin Spaß. Sie verliert nie die Geduld und leitet die Anrufe an die richtigen Stellen weiter.

Die Pförtner, die bei dem externen Unternehmen Piepenbrock Sicherheit angestellt sind, müssen sich im Landtag gut auskennen. Nicht nur, weil sie Besucherinnen und Besuchern den Weg zu den Sitzungsräumen oder Büros erklären müssen. Sondern auch, weil an den Wochenenden, nachts und an Feiertagen immer einer der Pförtner im Landtagsgebäude und auf dem Gelände auf Streife geht, insgesamt dreimal in einer Zwölf-Stunden-Schicht.

An einem normalen Wochentag schafft es Anna Spät kaum einmal aus ihrer Pförtnerloge heraus. Wenn für einen Moment einmal kein ungeduldiges Hupen am Tor erklingt, das Telefon nicht klingelt und auch gerade niemand „mal ganz schnell reingelassen“ werden will, hat die Pförtnerin kurz Zeit zum Durchschnaufen und kann vielleicht auch „mal eben ins Brot beißen“.

Die Wiesbadenerin, die im Stadtteil Erbenheim lebt, ist seit elf Jahren im Landtag im Einsatz. Die 5,2 Kilometer von ihrer Haustür zum hessischen Parlament geht sie manchmal zu Fuß, als Ausgleich zum vielen Sitzen. Sie schätzt die Abwechslung ihres Jobs und den Kontakt zu den Menschen. Spät sagt: „Langeweile kommt an der Landtagspforte nie auf.“