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Hessischer Friedenspreis wird an Carla del Ponte verliehen

Montag, 29.01.2018, 14:00 Uhr
Pressekonferenz Hessischer Friedenspreis 2017. Foto: Hessischer Landtag, Kanzlei 2018

Hessischer Friedenspreis wird an Carla del Ponte verliehen

Wiesbaden – Der Hessische Friedenspreis wird am 23. Februar 2018 an die frühere Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes für die Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien sowie für den Völkermord in Ruanda, Carla del Ponte, verliehen.

Dies gaben der Präsident des Hessischen Landtags, Norbert Kartmann, der Vorsitzende des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, Staatsminister a. D. Karl Starzacher, und das geschäftsführende Vorstandsmitglied der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Professor Dr. Nicole Deitelhoff, heute in Wiesbaden bekannt.

Die Kuratorinnen und Kuratoren überzeugte Carla del Pontes unermüdlicher Einsatz für den Frieden und ihre unbeugsame Überzeugung, dass nur das Recht einen nachhaltigen Frieden schaffen kann. Carla del Ponte scheute keinen politischen Konflikt, um Opfern von gravierenden Menschenrechtsverletzungen zu Gerechtigkeit zu verhelfen.

Die Laudatio wird die Vizepräsidentin des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, Prof. Dr. Dr. h.c. Angelika Nußberger, halten.

Über Carla del Ponte

Carla del Ponte wurde 1947 in Bignasco in der Schweiz geboren und ist heute eine der bekanntesten internationalen Juristinnen. Nachdem sie von 1994 bis 1998 als Bundesanwältin der Schweiz tätig war und in dieser Funktion vor allem wegen ihrer Ermittlungen im Umfeld der organisierten Kriminalität Bekanntheit erlangte, wurde sie 1999 Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien und zunächst in Personalunion auch für den Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda (bis 2003). Schon in ihrer Zeit als Chefanklägerin der beiden Strafgerichtshöfe war sie dafür bekannt, politische Versäumnisse offen anzusprechen und kompromisslos die Linie des internationalen Strafrechts und der Opfer zu vertreten. Damit eckte sie oft an. Nachdem ihre Tätigkeit am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien 2007 endete, berief die Schweiz sie bis zu ihrem Ruhestand 2011 zur Botschafterin in Argentinien. Aber schon 2012 wurde sie vom UN-Menschenrechtsrat erneut als Sonderermittlerin in eine Untersuchungskommission zu Kriegsverbrechen in Syrien („Independent International Commission of Inquiry on the Syrian Arab Republic“) berufen. Diesen Posten gab sie jüngst im August 2017 mit der Begründung auf, dass die Kommission nicht das leisten könne, wofür sie eingerichtet wurde, weil die Politik ihre Arbeit nicht hinreichend unterstütze. Dieser Rückzug ist exemplarisch für den unbeugsamen Willen von Carla del Ponte, dem Recht gegen jeden Widerstand Geltung zu verschaffen.

Ihr Einsatz für Frieden durch Recht

Carla del Pontes Lebenswerk zeichnet sich durch ihren unbeugsamen Kampf für Frieden durch Recht aus. Sie hat keinen politischen Konflikt gescheut, auch wenn das bedeutete, gegen alle diplomatischen Spielregeln zu verstoßen.

Diese Unbeugsamkeit hat sie zu einer Inspiration für unzählige Friedensaktivisten und zu einem Symbol der Hoffnung für alle jene werden lassen, die sich gegen Ungerechtigkeit und politische Ignoranz in Konflikten stemmen, wie dem aktuellen Konflikt in Syrien. Ein Konflikt, in dem nach Carla del Pontes Einschätzung weit schlimmere Verbrechen als im Jugoslawienkonflikt begangen wurden.

 

Information:

Der Hessische Friedenspreis und das zugehörige Kuratorium wurden 1993 vom ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald gegründet. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Mitglieder des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, vergeben von der Albert Osswald-Stiftung, sind:

  • Karl Starzacher, Vorsitzender des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, Staatsminister a.D.
  • Norbert Kartmann, Präsident des Hessischen Landtags
  • Heike Habermann, Vizepräsidentin des Hessischen Landtags
  • Peter von Unruh, Direktor beim Hessischen Landtag
  • Veronika Winterstein, Vizepräsidentin des Hessischen Landtags a. D.
  • Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung
  • PD Dr. Ines-Jacqueline Werkner, Institut für interdisziplinäre Forschung, Heidelberg
  • Professor Dr. Ursula Schröder, Wissenschaftliche Direktorin des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg
  • Professor Dr. Conrad Schetter, Wissenschaftlicher Direktor des Bonn International Center for Conversion (BICC)

Die Preisverleihung findet am Freitag, dem 23. Februar, um 11.00 Uhr, im Musiksaal im Stadtschloss des Hessischen Landtags statt.

Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger des Hessischen Friedenspreises:

1994                 Marianne Heiberg-Holst, Norwegen
1995                 John Hume, Nord-Irland
1996                 Gregorio Rosa Chavez, El Salvador
1997                 Hans Koschnik
1998                 Alexander Lebed, Russland
1999                 George J. Mitchell, USA
2000                 Martti Ahtisaari, Finnland
2001                 Max von der Stoel, Niederlande
2003                 Lakhdar Brahimi, Algerien
2004                 Hans Blix, Schweden
2005                 Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama
2006                 Daniel Barenboim, Israel
2007                 Christian Schwarz-Schilling, Deutschland
2008                 Sam Nunn, USA
2009                 Dekha Ibrahim Abdi, Kenia
2010                 Ismail Khatib, Palästina
2011                 Sadako Ogata, Japan
2012                 Elisabeth Decrey Warner, Schweiz
2013                 Dr. Muhammad Ashafa und Dr. James Wuye, Nigeria
2014                 Rubem César Fernandes, Brasilien
2015                 Ella Mikhaylovna Polyakova, Russland
2016                 Federica Mogherini, Italien