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Hessischer Friedenspreis wird an Zoran Zaev und Alexis Tsipras verliehen

Montag, 14.12.2020

Wiesbaden – Der Hessische Friedenspreis 2020 wird an den Ministerpräsidenten von Nordmazedonien, Zoran Zaev, und den ehemaligen Ministerpräsidenten von Griechenland, Alexis Tsipras, verliehen.

Dies gaben der Präsident des Hessischen Landtages, Boris Rhein, das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Professor Dr. Nicole Deitelhoff, und der Vorsitzende des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, Staatsminister a. D. Karl Starzacher, heute in Wiesbaden bekannt.

„Wir ehren mit dem Hessischen Friedenspreis zwei Menschen, die sich für Frieden und Völkerverständigung eingesetzt haben und denen es gelang, einen Konflikt, der tief in die Geschichte zurückreicht, zu lösen“, so Landtagspräsident Boris Rhein zur Begründung.

„Die Beiden haben als damaliger griechischer Regierungschef und als mazedonischer Ministerpräsident im jahrzehntelangen Konflikt ihrer Länder Griechenland und Mazedonien um den Namen ‚Mazedonien‘ eine Einigung erzielt. Sie haben damit ein wahrhaft diplomatisches Kunststück geschafft, das davor niemandem gelungen ist. Ohne sie würde der seit der Unabhängigkeit Mazedoniens 1991 geführte Namensstreit weiter schwelen und die Fehde der beiden Nachbarländer hätte die gesamte Balkanregion weiterhin destabilisiert. Der knapp dreißigjährige Namensstreit zwischen der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien und Griechenland konnte am 12. Februar 2019 mit einem Abkommen friedlich beigelegt werden. Ein Kompromiss war gefunden, künftig lautet der Namen des 1991 neu entstandenen Staates ‚Republik Nordmazedonien‘. Erstmals begann eine Zeit gutnachbarschaftlicher Beziehungen und es wurde der Weg für Nordmazedonien als Alliierter in der Nato und Partner in der Europäischen Union geebnet. Und dieser Erfolg wirkt weit über die Region hinaus. Es geht von dem Friedensschluss ein Signal an die Welt hinaus. Es gibt nicht nur das Recht des Stärkeren. Es gibt auch in der heutigen Welt noch den Weg des Respektes und des Kompromisses, den Weg des Friedens und der Stabilität. Und damit haben die Preisträger nichts Geringeres getan, als den europäischen Weg auf eine großartige Weise fortzuschreiben, ohne dass nationale Identitäten aufgegeben werden müssen“, betonte der Landtagspräsident.

„Zoran Zaev und Alexis Tsipras sind vom Muster abgewichen, auf Maximalpositionen zu pochen und eine Übereinkunft als Niederlage oder Landesverrat auszuschließen. Dabei setzten sie ihre politischen Karrieren aufs Spiel und mussten zahlreiche Kompromisse sowie Zugeständnisse innerhalb ihrer Parlamente aushandeln. Mit dem Abkommen geht die Hoffnung auf eine gute Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen Nordmazedonien und Griechenland einher. Die Streitbeilegung ist ein Beispiel der Aussöhnung der Region und Europas insgesamt“, sagte Kuratoriumsmitglied Professor Dr. Nicole Deitelhoff.

Aufgrund der Corona-Pandemie wird der Hessische Friedenspreis der Albert Osswald-Stiftung in diesem Jahr erstmals in digitaler Form, mittels einer Videobotschaft, verliehen.

Hintergrund:

Der Konflikt um den Namen Mazedonien begann nach dem Zerfall Jugoslawiens mit der Unabhängigkeitserklärung Mazedoniens 1991, in der die bis dato jugoslawische Teilrepublik Mazedonien sich den Namen Republik Mazedonien gab. Griechenland erhob sofort Einspruch aufgrund derselben Bezeichnung der Region Makedonien in Griechenland. Der Name Mazedoniens sei griechischen Ursprungs und bezeichne ein historisches Gebiet mit eigener Kultur und Geschichte. Die Republik Mazedonien entgegnete der griechischen Argumentation, dass das Staatsgebiet in der historischen Region der Mazedonier liege und dass das Nationalgefühl unabhängig vom Namen bestehe.

Zoran Zaev (Sozialdemokratische Liga, SDSM), Ministerpräsident von Nordmazedonien (Mai 2017 bis Januar 2020 sowie seit Ende August 2020), und Alexis Tsipras (Syriza-Partei), Ministerpräsident von Griechenland (Januar 2015 bis Juli 2019), erhalten die Auszeichnung für die Beilegung des Namensstreits zwischen den beiden Staaten. Künftig lautet der Name Mazedoniens „Republik Nordmazedonien“ (Republika Severna Makedonija).

 

Information:

Der Hessische Friedenspreis und das zugehörige Kuratorium wurden 1993 vom ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald gegründet. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Mitglieder des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, vergeben von der Albert Osswald-Stiftung, sind:

  • Karl Starzacher, Vorsitzender des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, Staatsminister a.D.
  • Boris Rhein, Präsident des Hessischen Landtages
  • Veronika Winterstein, Vizepräsidentin a.D. des Hessischen Landtages
  • Heike Hofmann, Vizepräsidentin des Hessischen Landtages
  • Peter von Unruh, Direktor beim Hessischen Landtag
  • Professor Dr. Nicole Deitelhoff, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK/PRIF)
  • Professor Dr. Ursula Schröder, Wissenschaftliche Direktorin des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH)
  • Professor Dr. Conrad Schetter, Wissenschaftlicher Direktor des Bonn International Center for Conversion (BICC)
  • PD Dr. Ines-Jacqueline Werkner, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft, Institut für interdisziplinäre Forschung (FEST)
  • Michaela Jäckel-Osswald, Großnichte von Albert Osswald

 

Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger des Hessischen Friedenspreises:

1994                 Marianne Heiberg-Holst, Norwegen
1995                 John Hume, Nord-Irland
1996                 Gregorio Rosa Chavez, El Salvador
1997                 Hans Koschnick, Deutschland
1998                 Alexander Lebed, Russland
1999                 George J. Mitchell, USA
2000                 Martti Ahtisaari, Finnland
2001                 Max von der Stoel, Niederlande
2003                 Lakhdar Brahimi, Algerien
2004                 Hans Blix, Schweden
2005                 Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama
2006                 Daniel Barenboim, Israel
2007                 Christian Schwarz-Schilling, Deutschland
2008                 Sam Nunn, USA
2009                 Dekha Ibrahim Abdi, Kenia
2010                 Ismail Khatib, Palästina
2011                 Sadako Ogata, Japan
2012                 Elisabeth Decrey Warner, Schweiz
2013                 Dr. Muhammad Ashafa und Dr. James Wuye, Nigeria
2014                 Rubem César Fernandes, Brasilien
2015                 Ella Mikhaylovna Polyakova, Russland
2016                 Federica Mogherini, Italien
2017                 Carla del Ponte, Schweiz
2018                 Prof. Dr. Şebnem Korur Fincancı, Türkei
2019                 Abiy Ahmed, Ph.D., Äthiopien

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