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Kunsthistorische Bedeutung des Stadtschlosses

Das Wiesbadener Stadtschloss - Foto: H. Heibel

Das Stadtschloss Wiesbaden wurde in den Jahren 1837-41 nach Plänen des Architekten Georg Moller (1784-1852) durch Hofbaumeister Richard Görz erbaut.

Georg Moller, seit 1810 Hofbaudirektor des Großherzogtums Hessen-Darmstadt, muss heute in einem Zuge mit Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) und Leo von Klenze (1784-1864) als einer der drei bedeutendsten Architekten des Klassizismus in Deutschland genannt werden. Zu seinen wichtigsten Bauten zählen in Darmstadt die St.-Ludwigs-Kirche, das ehemalige Landestheater, der Luisenplatz und das „Moller-Haus“ sowie in Mainz das dortige Staatstheater. Fast alle Bauten Mollers wurden durch Veränderungen und Kriegseinwirkungen stark beschädigt oder zerstört, so dass heute nur noch einige wenige originale Zeugnisse seines Schaffens erhalten sind. Unzweifelhaft zählt hierzu auch das Wiesbadener Stadtschloss, das trotz seiner wechselvollen Geschichte bis heute sowohl seinen äußeren Habitus, als auch seine originale Raumaufteilung und Ausstattung weitestgehend bewahren konnte. Lediglich die jeweiligen Kriegsfolgen der letzten Jahrhunderte führten im Gebäude zu einzelnen Überformungen oder Verlusten der Bausubstanz, die jedoch die Originalität der Gesamtanlage nie veränderten.

Während Karl Friedrich Schinkel in Preußen und Leo von Klenze in Bayern über umfangreiche Mittel zur Umsetzung ihrer Bauvorstellungen verfügten, waren Georg Moller demgegenüber als Baumeister in der Provinz deutliche wirtschaftliche Grenzen gesetzt. Umso bedeutender muss das Werk Mollers und insbesondere der Neubau des Wiesbadener Stadtschlosses heute aus bau- und kunstgeschichtlicher Sicht bewertet werden. Bautypus, Architektursprache, Raumkonzeption, Technologie, Ausstattung und Raumgestaltung weisen das Stadtschloss als einmaliges Zeitzeugnis des Klassizismus in Deutschland aus. Insbesondere die von Moller erdachten Besonderheiten technischer Einzellösungen (Eisenkonstruktionen der Wintergärten und Kuppeln, Ausmalungen auf Papier etc.) sowie die hohe Qualität der Ausstattung (Fußböden, Türen, Vorhänge, Stuckmarmor, Ausmalungen etc.) müssen in dieser Form als herausragend angesehen werden. Klassizistische Raumgestaltungen im pompejanischen Stil sind in der Qualität des Wiesbadener Stadtschlosses in Hessen nur noch im Ballhaus des Schloss Wilhelmshöhe in Kassel zu finden.