Direkt zum Inhalt

Landtag

Panorama_006-Fotograf-Hermann-Heibel.jpg

Raum für die Volksvertretung

Das ehemalige Schloss der Herzöge von Nassau stellt den markantesten und besterhaltenen historischen Teil des baulichen Komplexes des Hessischen Landtags dar. Wenn wir das Gebäude von außen ansehen und erfahren, dass es sich einst um den Wintersitz einer bedeutenden deutschen Fürstenfamilie handelte, dann sind wir eher überrascht über die schlichte Gestaltung der Fassade. Fast unauffällig fügt sich das Gebäude in die Zeile der Häuser wohlhabender Wiesbadener Bürger ein, und wäre die auffällige Eck-Eingangslösung mit einem großen Wappen darüber nicht, man würde fast vorübergehen, ohne es zu bemerken.

Gelangt man dann über die bescheidene Sandsteintreppe vom Schlossplatz über den ehemaligen Haupteingang ins Innere der herzoglichen Stadtwohnung,  so erkennt man schnell, wo man eigentlich ist. In einer fürstlichen Residenz, deren Innenausstattung so prächtig ist, dass sie den jährlich zirka 50.000 Besuchern einige bewundernde Kommentare entlockt. Die reichen Wand- und Deckenmalereien bilden die Faszination der Zeit für die Kunst der damals gerade ausgegrabenen Stätten der Klassischen Antike ab.

Die Bauzeit des Schlosses, das frühe 19. Jahrhundert, war nicht nur die Zeit der politischen Umbrüche, der Revolutionen und der Bürgerbewegungen. Es war auch die Zeit der Wiederentdeckung der Antike. Man hatte gerade Troja und Pompeji ausgegraben. Die klassischen Stilmerkmale, deren Reiz gerade in der Einfachheit und Klarheit ihrer Gliederungen lag, setzten Maßstäbe, die die Baukunst in ganz Europa prägten, auch in Wiesbaden.

Mit dem demokratischen Neubeginn Hessen nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das herzogliche Stadtschloss als Sitz des frei gewählten Landesparlaments ausgewählt.  Als die hessischen Abgeordneten 1946 in den neuen Landtag einzogen, benutzten sie zunächst den historischen Konzertsaal des Herzogs für die Plenardebatten. Allerdings reichte der Platz gerade für die Abgeordneten, die Regierungsvertreter und ein paar Reporter aus. Bald war man sich einig, dass es einen neuen Raum geben müsse, der es auch den Bürgerinnen und Bürgern möglich machte, bei den Plenarsitzungen dabei zu sein.

1961 ging ein neues Plenargebäude in Betrieb - ein weitgehend funktionaler Bau, bestimmt von einer postmodernen Formensprache - der Raum für die 110 Abgeordnetenplätze, die Regierungsbänke  und eine  Besuchergalerie mit reservierten Sitzen für die Medienvertreter bot. Eine großzügige Lobby und  einige Besprechungszimmer umschlossen den eigentlichen Plenarsaal, so dass die Teilnehmer an den Debatten über die drei Plenartage hinweg dort ohne Tageslicht und natürliche Belüftung auskommen mussten.

Um bessere Arbeitsbedingungen und moderne Informationstechniken zu ermöglichen, hat der Hessische Landtag 2004 den Abriss des alten Plenarsaals beschlossen. Das neue Plenarsaalgebäude konnte im März 2008 in Betrieb genommen werden.