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Mehr Sicherheit dank Röntgenblick

Dienstag, 13.04.2021

Das Team um Botenmeister Jürgen Haeder verteilt jeden Tag Hunderte Briefe im hessischen Parlament. Jede Post wird durchleuchtet. Dafür müssen die Boten nicht überall anklopfen.

Wenn Jürgen Haeder um 6.30 Uhr seinen Dienst im Hessischen Landtag antritt, ist es meist noch ziemlich ruhig. Die Hausarbeiterinnen und Haustechniker bringen das Haus auf Vordermann, aber Abgeordnete und Mitarbeiter sind noch nicht in Sicht. Jürgen Haeder ist der Botenmeister, das heißt, er und sein Team, das aus elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besteht, sind zuständig für die Annahme, das Verteilen und den Versand der Post des gesamten Parlaments.

Gleich früh morgens holt ein Fahrer die Post des Landtages bei der Hauptpost im Wiesbadener Stadtteil Schierstein ab. Mehrmals täglich kommen die Postfahrer aus den Ministerien, um Briefe und Päckchen zu bringen und abzuholen, die dann in einem der „Durchgänge“ verteilt werden. Die komplette Post wird aus Sicherheitsgründen jeden Tag durchleuchtet. „Schade, dass das mittlerweile nötig ist. Aber die Sicherheit hat bei uns oberste Priorität“, sagt Haeder, während er weitere Briefe in eine Durchleuchtungsanlage schiebt, die so ähnlich aussieht wie die am Flughafen.

Wie viel Post da wohl an einem normalen Tag zusammenkommt? „Wir haben mal gezählt“, berichtet der Hünstettener. „Es sind rund 700 Briefe und 20 Päckchen, die wir täglich annehmen und verteilen. Aber vor Weihnachten wird das gerne mal das Drei- oder Vierfache.“ Hinzu kommen dann natürlich noch all die vielen behördeninternen Vorgänge, die in so genannten Laufmappen kreuz und quer durch das Haus geschickt werden. Statt einer Adresse finden die Boten dann Kürzel, aus denen sie erkennen können, wer die Laufmappe als nächstes bekommt.

In jeder Fraktion gibt es ein Geschäftszimmer, in dem Abgeordnete und ihre Mitarbeiter ihre Postfächer haben. Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Landtagskanzlei, also der Parlamentsverwaltung, finden sich in jedem Büro Postkörbe mit „Eingang“ und „Ausgang“. Deshalb schauen die Boten immer wieder kurz in jedes Büro, um zu prüfen, ob etwas abzuholen ist. In guter alter Behördentradition müssen sie dafür nicht anklopfen.

Die Boten machen standardmäßig vier Rundgänge am Tag, in Corona-Zeiten sind es nur drei. Wenn Drucksachen oder andere Dinge verteilt werden müssen, sind sie aber auch zusätzlich zwischendurch unterwegs. Bei eiligen und dringenden Sendungen sind sie in der Botenmeisterei im Erdgeschoss des Landtages zu erreichen. In der Poststelle bekommen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übrigens auch Büro- und Arbeitsmaterial wie Stifte, Ordner oder Tackernadeln.

An Plenar- und Ausschusstagen übernehmen die Boten zusätzliche Dienste im Plenarsaal oder in den Sitzungssälen. So gehört die Vorbereitung des Plenarsaals zu ihren Aufgaben. „Wir legen die aktuellen Drucksachen sowie Wortmeldungs- und Kurzinterventionszettel auf den Abgeordnetenplätzen aus, die Telefone für die Fraktionsvorsitzenden, Präsidium und die Verwaltung“, sagt der 53 Jahre alte Botenmeister Haeder und fügt hinzu: „Während der Sitzung bringen wir Koffer und Akten für die Minister und Staatssekretäre und versorgen die Redner und das Präsidium mit Wasser. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist es außerdem unsere Aufgabe, nach jeder Rede das Pult zu desinfizieren.“ Haeder ist seit 2003 im Landtag beschäftigt. Für das Parlament zu arbeiten, hat er noch keinen einzigen Tag bereut.

 

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