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Hessischer Friedenspreis für Sebnem Korur Fincanci

Mittwoch, 28.11.2018, 11:00 Uhr
Verleihung des Hessischen Friedenspreises, Prof. Dr. Sebnem Korur Fincanci während ihrer Dankesrede, Foto: Hessischer Landtag, Kanzlei 2018

In einem feierlichen Festakt bekam die am 21. März 1959 in Istanbul geborene  Sebnem Korur Fincanci den Hessischen Friedenspreis verliehen. Nach dem Studium der Medizin arbeitete sie als Gerichtsmedizinerin. Sie ist Professorin für Forensik an der Universität Istanbul, Vorsitzende der Menschenrechtsstiftung der Türkei (THV) und eine international führende Expertin zur Folterdokumentation. Sebnem Korur Fincanci  ist eine der Hauptautorinnen des „Istanbul Protokolls“, dem internationalen Standardwerk zur Untersuchung und Dokumentation von Folterspuren und setzt sich seit vielen Jahren unter schwierigsten politischen Bedingungen nicht nur für die Dokumentation von Folter, sondern auch für die Rehabilitation von Folteropfern ein. Als eine der führenden Friedens- und Menschenrechtsaktivistinnen in der Türkei wurde sie dort zeitweilig in ihrer Funktion als Präsidentin der Menschenrechtsstiftung wegen des Vorwurfs der Propaganda für eine terroristische Organisation verhaftet.

Der Präsident des Hessischen Landtags, Norbert Kartmann, erinnerte in seiner Begrüßungsrede daran, dass der Hessische Friedenspreis jetzt schon zum 24. Mal an eine herausragende Persönlichkeit, die sich für eine friedlichere und  gerechtere Welt einsetzt, vergeben wird. Es seien bisher sehr unterschiedliche Preisträger ausgezeichnet worden, eines aber hätten alle gemeinsam gehabt, Mut: „Den Mut, sich mächtigen Regierungen oder Armeen entgegenzustellen. Den Mut für ihr Anliegen zu kämpfen und damit die Welt besser zu machen.“

Ministerpräsident Volker Bouffier sprach Sebnem Korur Fincanci seinen Dank dafür aus, dass sie in einer Welt, die seit der Erklärung der Menschenrechte vor 70 Jahren nicht friedlicher und besser geworden sei, im Interesse der Opfer ihre Arbeit für diese und die Achtung der Menschenrechte unbeirrt aller Repressalien geführt hat und weiterführt. Er betonte wie wichtig es sei, dass Folterer damit rechnen müssten, zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Die Laudatio hielt Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, emeritierter Bischof und ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirchen  in Deutschland.

Die Aufklärung von Folterungen sei ein direkter und kaum hoch genug zu schätzender Beitrag zum Frieden in einer Welt, in der immer noch in hundert oder auch mehr Ländern gefoltert werde, erklärte er. Folter geschehe in aller Regel im Verborgenen was zur Folge habe, dass die einzelnen Taten sehr oft nicht aufgeklärt und die Täter nur allzu selten zur Rechenschaft gezogen würden.  Aus diesen Gründen sei „der Einsatz für die Aufklärung von Folterungen ein entscheidender Beitrag zum Schutz der Menschenrechte und zur Bändigung der Gewalt gegen Menschen.“ Die Aufklärung von Folterungen sei „ein direkter und kaum hoch genug zu schätzender Beitrag zum Frieden“ sagte er und für Sebnem Korur Fincanci sei die Bekämpfung der Folter das “Lebensthema”. Den Einsatz hierfür habe sie mit erheblichen persönlichen Anfeindungen und Nachteilen bezahlt. Sie habe sich immer wieder als eine “ungewöhnlich mutige Frau” erwiesen, die ihre “Professionalität, ihre Einsatzbereitschaft und ihren Mut dafür einsetzt, Gewalt zu verhindern, die Würde des Menschen zu schützen und den Frieden zu fördern.”

Sebnem Korur Fincanci nahm den Hessischen Friedenspreis, der mit 25.000 Euro dotiert ist, aus den Händen Karl Starzachers, des Vorsitzenden des Hessischen Friedenspreises, entgegen. Sie sagte, dieser Preis habe eine ganz besondere Bedeutung für sie und alle Menschen, die sich für die Menschenrechte einsetzten. Deren Freundschaft und Solidarität werde durch diese hohe Auszeichnung gestärkt, wenn daraus eine Wellenbewegung entstehe, die sich ausbreite.