Bilddatei
Tafeln mit Verfassungstexten

„Demokratische Werte nicht bloß Worte auf Papier“ Jugendliche machen Verfassung lebendig

Oranienschule widmet Projekttag der hessischen Geschichte

Zum Start in das neue Schuljahr haben der Hessische Landtag, die Landeszentrale für Politische Bildung und die Oranienschule in Wiesbaden gleich zwei Verfassungsjubiläen gefeiert. Vor 80 Jahren trat die Landesverfassung in Kraft und nun vor zehn Jahren die schuleigene Verfassung, die von Schülerinnen und Schülern sowie Eltern und Lehrkräften in einem gemeinsamen Projekt entwickelt wurde. Die Veranstaltung stand unter dem Titel „80 Jahre Hessen – Lebendige Verfassung“.

Eine Schulverfassung als Ausdruck gelebter Demokratie

Das Gymnasium in der Oranienstraße hat eine ganz besondere Beziehung zum Landesjubiläum. Im Juli 1946 kamen genau hier die Mitglieder der Verfassungberatenden Landesversammlung von Groß-Hessen zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen. Damit begann ein demokratischer Prozess, dessen Ergebnis die heute noch gültige Landesverfassung Hessens ist. Von 2014 bis 2016 wurde am gleichen Ort wieder an einer Verfassung gearbeitet, diesmal für die Oranienschule selbst. 

Landtagspräsidentin Astrid Wallmann sagte im Rahmen der Jubiläumsfeier: „Dass die Oranienschule ihren Schulalltag seit nunmehr zehn Jahren auf den Grundpfeilern einer Verfassung lebt, ist etwas ganz Besonderes und macht deutlich, dass demokratische Werte nicht bloß Worte auf dem Papier sind, sondern zu einem lebendigen, respektvollen Miteinander beitragen.“

Für Schulleiter Timo Schweigert ist die Verfassung der Oranienschule ein Stück gelebter Demokratie: „Unsere Schulverfassung ist weit mehr als eine Sammlung von Regeln. Sie beschreibt die Werte, auf denen unser Miteinander beruht. Die Verfassung macht deutlich, welche Rechte und welche Verantwortung alle Mitglieder unserer Schulgemeinschaft tragen. So wird Demokratie im Schulalltag konkret erlebbar.“ Durch den gemeinsamen Entwicklungsprozess habe die Schulverfassung eine verbindende Wirkung, so Schweigert: „Sie schafft Orientierung, stärkt das Verantwortungsbewusstsein und fördert eine Kultur des Respekts und der Partizipation.“

Für die Zukunft unserer Demokratie ist es zentral, dass wir uns immer wieder neu den Wert der Verfassung vergegenwärtigen und darüber nachzudenken, auf welche Weise wir die darin verankerten Werte lebendig halten können.
Landtagspräsidentin Astrid Wallmann

Zwei Verfassungen – eine Ausstellung

Für die Jubiläumsfeier haben die Jugendlichen eine Ausstellung konzipiert, die den Bogen von der Landes- zur Schulverfassung schlägt. Astrid Wallmann konnte bei einem Rundgang gemeinsam mit Hessens Bildungsminister Armin Schwarz einen Eindruck davon bekommen, was die Schülerinnen und Schüler mit einer Verfassung verbinden. 

Die Parlamentspräsidentin sagte: „Die Ausstellung zeigt, wie wichtig und wertvoll es ist, dass junge Menschen sich mit dem Fundament unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung auseinandersetzen. Für die Zukunft unserer Demokratie ist es zentral, dass wir uns immer wieder neu den Wert der Verfassung vergegenwärtigen und darüber nachzudenken, auf welche Weise wir die darin verankerten Werte lebendig halten können.“ 

Bildungsminister Armin Schwarz betonte die Bedeutung solcher Projekte: „Schulen sind zentrale Orte demokratischer Bildung. Kinder und Jugendliche erleben Gemeinschaft als Miteinander durch Mitbestimmung oder durch respektvolle Diskussionen. Projekte wie diese an der Oranienschule befähigen Schülerinnen und Schüler, Informationen kritisch einzuordnen, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und sich selbst fundierte Meinung zu bilden, um sich aktiv und reflektiert in die demokratische Gesellschaft einbringen zu können.“ 

Geschichte und Gegenwart im Blick 

Im Anschluss sprach Astrid Wallmann gemeinsam mit Armin Schwarz und der Direktorin der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, Franziska Kiermeier, über die herausragende historische Bedeutung der hessischen Verfassung. Außerdem ging es auf dem Podium darum, wie die älteste noch gültige Landesverfassung Deutschlands auch heute weiter lebendig gehalten werden kann.

HLZ-Direktorin Kiermeier sagte: „Die hessische Verfassung ist ein lebendiges Zeugnis des Entstehungsprozesses der jungen Demokratie vor 80 Jahren – ein Lichtblick, an den wir viel stärker erinnern sollten. Aus Sicht der politischen Bildung folgt daraus die Aufgabe, mit unseren Angeboten und Formaten die Geschichte, den Stellenwert und die Aktualität unserer Landesverfassung noch breiter bekannt zu machen, und zwar dort, wo sie hingehört: bei den Hessinnen und Hessen.“

Den Abschluss der Jubiläumsveranstaltung bildete das von Tino Leo präsentierte Theaterstück „FINDING HESSEN – Die kürzeste hessische Geschichte aller Zeiten“. Es wurde eigens zum Landesjubiläum geschrieben. Der Schauspieler schlüpfte dabei in mehr als zwei Dutzend Rollen und erweckte Hessens Historie so zum Leben.

Jubiläumsveranstaltung „80 Jahre Hessen – Lebendige Verfassung“