„Leidenschaftlicher Streiter für ein selbstbewusstes Parlament“
Abschied vom langjährigsten Abgeordneten Hessens
Vizepräsident Frank Lortz verlässt das Parlament nach fast 44 Jahren
Kein Abgeordneter hat länger dem Hessischen Landtag angehört: Fast 44 Jahre nach seinem ersten Einzug in das Parlament gibt der CDU-Politiker und Landtagsvizepräsident Frank Lortz Ende Oktober sein Mandat ab. Am Tag seiner letzten Plenarsitzung kamen Wegbegleiter zu einer Abschiedsfeier im Musiksaal zusammen.
„Frank Lortz hat als Sitzungsleitung selbst unübersichtliche Situationen mit Ruhe, Übersicht und auch Humor gelöst. Dabei hat er stets ausgleichend gewirkt, aber auch mit der gegebenen Strenge, wenn sie nötig war. Er war und ist Ratgeber und für ganz viele im Parlament auch ein guter Freund“, sagte Vizepräsidentin Martina Feldmayer, die Landtagspräsidentin Astrid Wallmann aus gesundheitlichen Gründen vertreten hatte.
Wallmann: „Frank Lortz wird im Landtag fehlen“
Die Parlamentspräsidentin Astrid Wallmann erklärte: „Keiner der derzeitigen Abgeordneten hat einen Landtag ohne Frank Lortz erlebt, und deswegen können sich nun auch die Wenigsten ein Parlament ohne ihn vorstellen. Er wird uns allen hier im Landtag fehlen: Mit seiner wertegebundenen Klarheit, seiner zugewandten und zugleich schnörkellosen Art sowie als leidenschaftlicher Streiter für ein selbstbewusstes und unabhängiges Parlament. Vor allem aber auch als Mensch, der als Ratgeber nicht nur mir, sondern sehr vielen Menschen wichtig war und ist. Auf diese Weise hat er sich Respekt erworben und sich um den Landtag in herausragender Weise verdient gemacht.“ Astrid Wallmann betonte, dass in einer Gesellschaft zunehmender Polarisierung Persönlichkeiten wie Frank Lortz mehr denn je gebraucht würden.
Rhein über Lortz: „Geradlinig und verlässlich“
Ministerpräsident Boris Rhein würdigte Lortz in seiner Rede als geradlinig, sachlich und ehrlich: „Als Landtagsvizepräsident war er bodenständig, ansprechbar und hatte immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Menschen. Nähe war bei ihm nie ein politisches Schlagwort, sondern seine Art, Politik zu machen.“
Rhein arbeitete als Landtagspräsident von 2019 bis 2022 im Präsidium mit seinem Stellvertreter Lortz zusammen. „Frank Lortz kann in der Sache hart streiten und trotzdem am Ende alle an einen Tisch holen. Für ihn gehört zum politischen Streit immer auch die Bereitschaft, miteinander im Gespräch zu bleiben und nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen. Diese Verbindung aus Geradlinigkeit und Verlässlichkeit hat ihm großen Respekt über Parteigrenzen hinweg verschafft“, sagte der Ministerpräsident.
Auch in lebhaften Debatten bewahre Lortz nach den Worten des Ministerpräsidenten Ruhe und Respekt und sorge dafür, dass die parlamentarischen Regeln eingehalten würden.
Respektvoller Umgang und intelligente Zwischenrufe
Frank Lortz dankte in seiner Rede den Beschäftigten der Landtagsverwaltung, allen voran dem stenografischen Dienst: "Sie hatten einiges mit mir zu tun, auch wenn ich immer ein reines Hochdeutsch gesprochen habe.“ Lortz, der für sein breites Hessisch bekannt ist, berichtete von seinen Anfängen als jugendpolitischer Sprecher in den frühen 1980er Jahren und seiner Zeit als Vizepräsident. "Ich habe zu meinen Schriftführern immer gesagt: Der Präsident hört schlecht. Und ihr hört auch schlecht." Mit Humor und direkter Ansprache habe er so manche Instrument eder Geschäftsordnung wie Rügen oder Ordnungsrufe nicht anwenden müssen.
"Ich wünsche unserem Landtag viel Erfolg, einen vernünftigen und respektvollen Umgang, intelligente Zwischenrufe und dass Beleidigungen unterbleiben", sagte Lortz. Politik müsse nah am Bürger sein und eine Sprache sprechen, die man draußen verstehe.
Hintergrund
Frank Lortz aus Seligenstadt (Kreis Offenbach) sitzt seit dem 1. Dezember 1982 mit zwei kurzen Unterbrechungen im Landtag. Der 73 Jahre alte Diplom-Betriebswirt wurde 2003 erstmals zum Vizepräsidenten gewählt. Vielen wird der CDU-Politiker im Gedächtnis bleiben, weil er auf seine launig-hessische Art die Ergebnisse der Landtagself in den amtlichen Mitteilungen zu Plenarbeginn verkündet hat. Das Protokoll hat im Mai 2003 den ersten Spielbericht dieser Art notiert. Darüber hinaus ist Frank Lortz für sein konsequentes Duzen bekannt. Ende Oktober gibt Lortz sein Mandat ab.