„Ein Leben im Dienst von Staat und Gesellschaft“
Abgeordnete nehmen in einem Trauerakt Abschied von ehemaligem Landtagspräsidenten Norbert Kartmann
Mit einem Trauerakt haben die Abgeordneten im Hessischen Landtag Abschied von ihrem ehemaligen Landtagspräsidenten Dr. h.c. Norbert Kartmann genommen. Auch die Familie des langjährigen Parlamentspräsidenten, der am 23. Mai im Alter von 77 Jahren verstorben war, nahm an der Gedenkstunde teil.
Landtagspräsidentin Astrid Wallmann würdigte in ihrer Ansprache das Wirken Kartmanns, der fast 16 Jahre lang die Geschicke des Landtags leitete und damit länger als jeder andere vor ihm: „Norbert Kartmann hat sein Leben in den Dienst von Staat und Gesellschaft gestellt. Durch diese Haltung, die sich in seinem Amtsverständnis niederschlug, und sein ausgleichendes Wesen erwarb er sich über die Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg höchste Anerkennung und Wertschätzung. Durch seine Persönlichkeit und sein Wirken hat er den Landtag maßgeblich geprägt und das Ansehen des Landesparlamentes in herausragender Weise gemehrt.“
„Streiter für die Demokratie, ein Ratgeber und Vorbild“
In Kartmanns Amtszeit fiel auch der Neubau des Plenargebäudes. Wallmann erinnerte daran, dass das hohe Maß an Offenheit, das den Plenarsaal mit seinen großen Glasfronten auszeichnet, unter Kartmann Programm gewesen sei. Mit dieser Transparenz habe er für den Landtag nach außen gewirkt. „Da er es für grundlegend wichtig hielt, die Menschen von der Demokratie zu überzeugen, stärkte er den Bereich der Politischen Bildung und regte die Entwicklung neuer und innovativer Bildungsformate an. Als leidenschaftlicher Demokrat und Pädagoge war es ihm ein Herzensanliegen, alle Schulformen und Altersstufen zu erreichen, um die Schülerinnen und Schüler von klein auf an unser demokratisches System heranzuführen“, sagte Wallmann weiter. Der Landtag werde Kartmann ein ehrendes Andenken bewahren und verliere einen Streiter für die Demokratie, einen Ratgeber und ein Vorbild.
Vizepräsident Frank Lortz blickte als Wegbegleiter Kartmanns zurück auf die gemeinsame Zeit im Parlament: „Er verkörperte stets die Präsenz der Legislative, der ersten Gewalt im Staat. Und er sah sich selbst immer als Anwalt aller Abgeordneten, ob in der Sitzungsleitung, der Geschäftsführerrunde oder in Ältestenrat oder Präsidium. Er stand für einen kollegialen Stil, für ein Miteinander in Transparenz, für klare Aussagen und Ansagen. Er lebte das Amt in großer Sachlichkeit, Disziplin aber auch mit Leidenschaft. So wird er uns in Erinnerung bleiben – als Präsident, der die parlamentarische Arbeit in unserem Landtag nachhaltig geprägt hat. Wir denken an ihn und sind ihm dankbar.
Der ehemalige Vizepräsident des Hessischen Landtages Dr. h. c. Jörg-Uwe Hahn und ebenfalls Wegbegleiter blickte auf die gemeinsamen politischen Anfänge in der Wetterau zurück und erinnerte an Kartmanns Verbundenheit mit der Wetterauer Heimat: „Norbert Kartmann war ein prinzipientreuer Politiker und ein herzensguter Mensch“. Als engagierter Kommunalpolitiker sei er „verwoben mit der Dorfgemeinschaft in Nieder-Weisel“. Zugleich habe er sich aufgrund seiner Bindung zu Siebenbürgen, der Heimat seines Vaters, unermüdlich für die europäische Idee eingesetzt.
Musikalisch begleitet wurde der Trauerakt von dem Wiesbadener Pianist Alexander von Wangenheim.