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Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Sonntag, 27.01.2019, 11:00 Uhr
Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus. c: Stadt Frankfurt am Main. Foto Heike Lyding

Die gemeinsam von Hessischem Landtag, der Hessischen Landesregierung, dem Landeswohlfahrtsverband Hessen, Hessischem Städtetag, Hessischem Städte- und Gemeindebund sowie dem Hessischem Landkreistag ausgerichtete jährliche Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus fand am 27. Januar 2019 in der Frankfurter Paulskirche statt.

Die Gedenkveranstaltung geht zurück auf eine Empfehlung des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog, der 1996 angeregt hatte, am 27. Januar eines Jahres in besonderen Veranstaltungen der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Im Jahr 2005 wurde dieser Tag zudem durch die Vereinten Nationen als „Internationaler Gedenktag für die Opfer des Holocaust“ bestimmt.

Der Präsident des Hessischen Landtags, Boris Rhein, erinnerte in seiner Rede an die schrecklichen historischen Ereignisse und mahnte die daraus entstehenden Verpflichtungen auch für zukünftige Generationen an: "Wir haben in Deutschland die historische Verpflich­tung, uns immer wieder mit den Verbrechen der Nationalsozialisten auseinanderzusetzen und daran zu erinnern. Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist dabei ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur. Das gilt heute umso mehr, da Antisemitismus und Rassismus in der Gesellschaft zunehmen, auch weil die Vergangenheit in Vergessenheit gerät. Wir müssen diese Entwicklungen genau beobachten und alles nur Erdenkliche tun, um dem entgegenzuwirken. Und wie, wenn nicht mit Gedenkveranstaltungen, wollen wir die Erinnerung an das Leid der Millionen Menschen durch die Nationalsozialisten aufrechterhalten? Wie, wenn nicht mit Angeboten zur historischen und politischen Bildung wollen wir den heutigen Entwicklungen entgegentreten? Nur so können wir das Vergessen der nachfolgenden Generationen verhindern", betonte der Landtagspräsident.

Der Hessische Ministerpräsident führte in seinem Grußwort aus: "Die während der national­sozialistischen Schreckensherrschaft begangenen Gräueltaten markieren einen Tiefpunkt in der gesamten Menschheitsgeschichte. Der heutige Gedenktag an das unvorstellbar Grausame mahnt uns zu einer besonderen Verantwortung, die schrecklichen Ereignisse niemals in Vergessenheit geraten zu lassen und aus ihnen Lehren für unsere Zukunft zu ziehen. Unter diesen Teil unserer Geschichte darf niemals ein Schlussstrich gezogen werden."

Prof. Dr. Salomon Korn, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main, hielt die Gedenkrede. Darin ging er auf den Abschied der letzten Zeitzeugen und deren Vermächtnis ein. Korn ließ seine Zuhörer teilhaben an den entsetzlichen Traumata der Überlebenden des nationalsozialistischen Menschheitsverbrechens: "Für die Überlebenden und ihre Nach­kommen gibt es keinen endgültigen Abschied von Auschwitz. Der 27. Januar ist für sie ein symbolisches Datum. Wer überlebt hat, weiß, dass er sein Überleben nur dem Zufall zu verdanken hat. Viele Holocaust-Überlebende litten und leiden zeitlebens unter ihrer Rettung. Sie machen sich Vorwürfe und fühlen Scham, das eigene Überleben sei nur auf Kosten schwächerer Mithäftlinge möglich gewesen", sagte Korn. In seiner Rede mit dem Titel "Abschied" zitierte Korn den letzten Wunsch des deutsch-tschechischen Filmregisseurs Thomas Fantl. Fantl hatte 64 Angehörige in den Konzentrationslagern verloren, seinen eigenen Erinnerungen konnte er nicht entfliehen. So wünschte er sich, man möge seine Asche in Auschwitz verstreuen – "dort bin ich gestorben". "Familie, Liebe, Beruf – all das sind Ablenkungen. Doch im Alter, wenn die Tage lang werden und viel Zeit zum Erinnern lassen, taucht alles wieder auf. Taucht auf, schiebt sich an die Oberfläche wie die mensch­lichen Knochenreste im Aschesand von Auschwitz", mahnte Korn.