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Landtagspräsident Boris Rhein zu 30 Jahren Deutsche Einheit

Samstag, 03.10.2020
Landtagspräsident Boris Rhein. Foto: Hessischer Landtag, Kanzlei. Fotograf: Volker Watschounek 2019

Der Präsident des Hessischen Landtages, Boris Rhein, blickt anlässlich des dreißigsten Jahrestages der Deutschen Einheit mit „großer Dankbarkeit und Freude auf dieses für Deutschland und Hessen historische Ereignis“ zurück:

„Am Samstag feiern wir 30 Jahre Deutsche Einheit. Fast ein Jahr zuvor, am 9. November 1989 war das Symbol der Teilung, die Mauer, dieses Schandmal aus Beton und Stacheldraht, das so viel Leid über die Menschen gebracht hat, gefallen. Aber in Wirklichkeit ist sie nicht einfach gefallen. Es waren die Bürgerinnen und Bürger der DDR, die sie zum Einsturz brachten - und die SED-Diktatur gleich mit dazu. Es waren nicht Supermächte oder Staatenlenker, die Geschichte machten, sondern es war das Volk, das seine eigene Geschichte schrieb. Der 9. November 1989 und der 3. Oktober 1990 gehören zu den glücklichsten Tagen der Deutschen. Aber nicht nur der Deutschen. Wohin man in den Jahren 1989/1990 auch schaute: der Funke der Freiheit war entzündet. Was nach 1945 mit der Befreiung von den Nazis begann, erhielt 1989/1990 neue Impulse, neue Dimensionen und neuen Schwung. Die friedliche Revolution 1989 und die deutsche Wiedervereinigung 1990 waren der erste Schritt zum Beitritt der mittelosteuropäischen Staaten zur Europäischen Union – und damit wurde dieser Termin so etwas, wie die zweite Gründung der Europäischen Union.

Die deutsche Einheit war und ist ein gewaltiges Werk. Sie ist auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung noch nicht vollkommen. Die Spuren der Trennung sind noch immer nicht gänzlich aus Köpfen und Herzen verschwunden. Kein Wunder – hat die Wiedervereinigung den Menschen in unserem Land doch viel abverlangt, vor allem denen im Osten. Für 16 Millionen Menschen änderte sich in kürzester Zeit fast alles. Sie haben Umbrüche gemeistert in einem Ausmaß wie sie meiner Generation hier im Westen erspart geblieben sind. Wir wissen nicht, wie es sich anfühlt, in einer Diktatur aufzuwachsen; wir wissen nicht, wieviel Kraft und Mut es braucht, unter Willkür und Bespitzelung sein Leben zu gestalten; wir wissen nicht, ob wir unter großen Risiken für unser und unserer Lieben Leben uns aufgelehnt oder angepasst hätten.  Auch das ist eine gewaltige Leistung, auch das gehört zur Erinnerung dazu und auch das ist lange Zeit nicht ausreichend gewürdigt worden. Aber die Anstrengung ist es wert, denn nur in der Demokratie gibt es Freiheit, Rechtsstaat und Gleichheit vor dem Gesetz, all das, was es im Unrechtsstaat DDR nicht gab und was es seit 75 Jahren in Hessen gibt. Denn Freiheit ist kein Geschenk, sie muss jeden Tag erarbeitet werden und dafür lohnt es, sich anzustrengen“, betonte Rhein abschließend.