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Holocaust-Überlebende Gruppenbild
23
April
2026

„Nicht schweigen – Haltung zeigen“

Holocaust-Überlebende aus Hessen besuchen den Hessischen Landtag

„Junge Menschen sind nicht verantwortlich für die Vergangenheit, aber sie können Verantwortung für die Zukunft übernehmen, dass so etwas nie wieder geschieht“. Diese Botschaft ist Eva Szepesi wichtig. Die 93 Jahre alte Frankfurterin hat gemeinsam mit mehr als 50 weiteren Holocaust-Überlebenden und ihren Nachkommen den Hessischen Landtag besucht und sich dort mit Parlamentspräsidentin Astrid Wallmann ausgetauscht. Der Besuch wurde organisiert von der Jewish Claims Conference.

Als Zwölfjährige wurde die in Budapest geborene Szepesi mit dem letzten Transport in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht, allein, ohne Familie. In den 1950er Jahren kam sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter nach Frankfurt. Lange schwieg sie über das Geschehen. Erst 50 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz begann sie, darüber zu sprechen. Mit nicht nachlassender Energie geht sie seitdem an Schulen und stellt sich dort den Fragen der Schülerinnen und Schüler.

Erinnerungskultur heißt Verantwortung für die Zukunft übernehmen

„Nichts ersetzt ein Gespräch mit einem Zeitzeugen“, sagte Parlamentspräsidentin Wallmann. Angesichts steigender rechtsextremer, antisemitischer und rassistischer Vorfälle an Schulen sei der Schutz jüdischen Lebens und das Eintreten gegen Antisemitismus dringlicher denn je. Dabei sei es essenziell, neue Formen der Erinnerungskultur zu schaffen und auch diejenigen zu erreichen, die Gedenkveranstaltungen fernblieben, so Wallmann. Erst in der Woche zuvor hatte die Parlamentspräsidentin gemeinsam mit Präsidiumsmitgliedern das Museum „Mémorial de la Shoah“ in Paris besucht. Die französische Gedenkstätte ist das größte europäische Zentrum für Forschung, Information und Aufklärung über den Völkermord an den Juden während des Zweiten Weltkriegs.

Die Gruppe derer, die aus eigenem Erleben von der Shoah berichten können, wird immer kleiner. Längst hat auch die zweite Generation begonnen, die Erinnerung an die Schrecken des Holocaust wachzuhalten und weiterzutragen. Ein Teilnehmer berichtet im Gespräch, er habe drei Brüder in Konzentrationslagern verloren. Wenn er in Schulen gehe, zeige er den Schülerinnen und Schülern oft noch ein persönliches Andenken an seine Brüder, das ihm geblieben sei.

Eva Szepesi, die 2024 bei der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag eine Rede gehalten hat, kommt bei den Treffen der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland regelmäßig mit anderen Überlebenden zusammen. „Aber wir sprechen nicht nur über die Vergangenheit, wir müssen auch an die Zukunft denken“, sagt Szepesi. Doch je älter sie werde, umso präsenter seien die Geschehnisse jeden Tag. Sie selbst hätte nie gedacht, dass ihr noch einmal Antisemitismus in dieser Form begegnen werde. Die Erinnerungskultur sei ihr daher sehr wichtig. „Gerade für uns Überlebende ist es unfassbar, wenn Menschen leugnen, dass es Auschwitz gegeben hat“, sagt Szepesi. Für die Zukunft wünscht sie sich deshalb eins: „Wenn Jugendliche Ungerechtigkeit erleben: Nicht schweigen, sondern Haltung zeigen“.