Landtagspräsidentin Astrid Wallmann erinnert an langjährigen Ministerpräsidenten Georg-August Zinn
In diesem Jahr wird das Land Hessen 80 Jahre alt. Fast 20 Jahre lang wurde es geprägt von Georg-August Zinn. Am 27. März 1976, vor 50 Jahren, starb der langjährige Ministerpräsident.
Hessen war noch jung, als Georg-August Zinn am 10. Januar 1951 im Musiksaal des Hessischen Landtages an das Rednerpult trat, um seine erste Regierungserklärung als Ministerpräsident abzugeben. Anlässlich des Landesjubiläums wird das Originalrednerpult im Rahmen von Sonderführungen zur Parlamentsgeschichte wieder im Landtag zu sehen sein.
Der SPD-Politiker setzte ab der zweiten Wahlperiode richtungsweisende Akzente in Hessen. Mit den Hessenplänen von 1951 und 1965 ging Zinn zahlreiche Reformen an, setzte sich für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit ein, vereinheitlichte die Lehrerbildung, ließ neue Schulen bauen – wovon noch heute zahlreiche seinen Namen tragen – sowie kleine Volksschulen in größeren Mittelpunktschulen aufgehen. In den ländlichen Regionen förderte er den Bau von Dorfgemeinschaftshäusern, um das Leben in den Regionen attraktiver zu gestalten. Diese Reformprojekte trugen maßgeblich dazu bei, dass die Wachstumsraten Hessens in den 1950er und 1960er Jahren über dem Bundesdurchschnitt lagen.
Wallmann über Zinn: „Baumeister des modernen Hessen“
„Georg-August Zinn gehört zu den bedeutenden hessischen Politikern, die unser Land entscheidend geprägt und geformt haben“, sagte Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, „Mit großer Weitsicht hat er den damals noch jungen Staat als Landesvater in eine erfolgreiche Zukunft geführt und gilt deshalb zu Recht als der Baumeister des modernen Hessen. Zu seinen bleibenden Verdiensten gehört darüber hinaus die Förderung eines gemeinsamen hessischen Identitätsgefühls.“
Zinn 1951: „Demokratie ist vor allem eine Lebensform“
Grundlage von Zinns politischer Arbeit war ein klares Bekenntnis zur Demokratie. In seiner ersten Regierungserklärung sagte Zinn: „Die Demokratie ist nicht nur eine Staatsform, in der eine bestimmte institutionelle Gliederung die Handhabung der staatlichen Macht regeln oder vor ihrem Missbrauch schützen soll. Sie ist vor allem eine Lebensform. Sie erfordert, was wir Deutsche sehr leicht übersehen, eine bestimmte Lebenshaltung: die menschliche Achtung vor der abweichenden Meinung, auch im gesellschaftlichen und gerade im politischen Leben.“
Prägender Leitspruch: „Hesse ist, wer Hesse sein will“
Während seiner 19 Jahre an der Spitze der Landesregierung trug der gebürtige Frankfurter und in Kassel aufgewachsene Politiker maßgeblich dazu bei, aus dem früheren Hessen-Darmstadt im Süden und dem einstigen Hessen-Kassel im Norden ein Bewusstsein für eine gemeinsame hessische Identität zu schaffen. Zugleich wurden nach 1945 mehr als eine Million Flüchtlinge und Vertriebene integriert. „Hesse ist, wer Hesse sein will“, lautet einer der bekanntesten Aussprüche Zinns. Der von ihm initiierte Hessentag – das seit 1961 alljährlich in einer anderen hessischen Stadt stattfindende zehntägige Volksfest – ist Ausdruck dieser Haltung.
Als Zinn im August 1969 krankheitsbedingt seinen Rücktritt ankündigte, bezeichnete dies der damalige Landtagspräsident Franz Fuchs in der Sitzung am 3. Oktober 1969 als das „Ende einer Ära.“ Fuchs erinnerte daran, wie Zinn zu Beginn seiner politischen Laufbahn das demokratische Miteinander im Parlament beschrieben hatte: „Beide, Regierungsmehrheit und Opposition, haben einander ergänzende und nicht sich ausschließende Funktionen. Nicht Feindschaft, sondern das Ringen um die Sache sollte ihre Auseinandersetzung bestimmen“.
Damit habe Zinn eine Basis geschaffen, „auf der die demokratischen Parteien in diesem Land im Laufe der nahezu zwanzig Jahre immer wieder – bei aller sachlichen Kritik und Kontroverse – haben zueinander finden können, zur gemeinsamen Arbeit zum Wohle der Menschen dieses Landes“, so Fuchs.
Am 27. März 1976 starb Georg-August Zinn im Alter von 74 Jahren in Frankfurt. Beigesetzt wurde er auf dem Wiesbadener Nordfriedhof. Im Wintergarten des Stadtschlosses erinnert eine Büste aus Bronze an den früheren Ministerpräsidenten.
Hinweis:
Ab dem 18. April bietet der Hessische Landtag spezielle Führungen durch 80 Jahre Parlamentsgeschichte an. Dabei lernen die Besucherinnen und Besucher auch die historischen Räumlichkeiten sowie den Plenarsaal kennen und erfahren Hintergründe aus der Gründungszeit Hessens bis heute. Informationen hierzu gibt auf der Webseite des Landtages