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Fritz-Bauer-Studientag im Hessischen Landtag

Freitag, 02.11.2018, 09:00 Uhr bis 15:00 Uhr
Fritz Bauer Tag 2018; Arbeitsgruppe zum Fritz Bauer Tag; Foto: Hessischer Landtag, Kanzlei 2018

Auschwitz und die Verbrechen der NS-Zeit drangen 1963 mit großer Nachdrücklichkeit in das öffentliche Bewusstsein als gegen 22 ehemalige NS-Täter Anklage erhoben wurde und in Frankfurt ein großer Prozess begann. Fritz Bauer -  der frühere hessische Generalstaatsanwalt - hat diesen Prozess fast im Alleingang möglich gemacht.

Zu seinen Ehren und anlässlich seines 50. Todestages fand am 2. November nun im Hessischen Landtag ein „Fritz Bauer-Studientag“ statt. Abiturientinnen und Abiturienten der Elly-Heuss-Schule Wiesbaden und des Max-Beckmann-Gymnasiums Frankfurt beschäftigten sich an diesem Tag intensiv mit Fritz Bauers Leben und Wirken, mit seinem Einsatz für eine humanitäre Demokratie, seinem Einsatz für die Auseinandersetzung mit  der deutschen Schuld und mit seinen Verdiensten um die Verfolgung und Verurteilung von NS-Verbrechern.

Landtagspräsident Norbert Kartmann erklärte in seiner Begrüßung, vieles sei zwar  aufgearbeitet worden, aber wir alle könnten gerade am Beispiel Fritz Bauers weiter aus der Geschichte lernen. Er appellierte an die Schülerinnen und Schüler sensibel dafür zu sein, wo das soziale Miteinander  -  im Großen wie im Kleinen -  nicht in Ordnung sei und dagegen etwas zu tun.

Nach der Vorführung des Spielfilms „Der Staat gegen Fritz Bauer“, der in emotionaler und anrührender Weise entscheidende Jahre Fritz Bauers bei seiner Arbeit zeigt,  insbesondere Adolf Eichmann aufzuspüren und Verantwortliche der NS-Verbrechen vor Gericht zu stellen, hatten alle die Möglichkeit, einen Zeitzeugen hierzu zu befragen. Der ehemalige Ltd. Oberstaatsanwalt a. D. Gerhard Wiese erklärte auf die Frage eines Schülers, nach der Bedeutung der Auschwitz-Prozesse für die junge Generation heute  sie stellten einen Symbolwert dafür dar, dass jegliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu jeder Zeit verfolgt werden müssten.

Nach der Frage-und Diskussionsrunde beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler in Arbeitsgruppen dann unter verschiedenen Gesichtspunkten mit Fritz Bauer und seiner möglichen Bedeutung für die Jetztzeit und für sich selbst.

Abschließend stellten die jungen Leute dann in Anwesenheit der Abgeordneten Martina Feldmayer, Ernst-Ewald Roth und Janine Wissler, unter Einbeziehung von ausgewählten Fritz-Bauer-Zitaten, ihre eigenen Schlussfolgerungen und Thesen im Plenum vor.

Fritz Bauers Satz: “Es gibt keinen politikleeren Raum“ fiel hierbei mehrfach und die Schülerinnen und Schüler leiteten daraus ab, wie wichtig es ist, sich Wahlprogramme durchzulesen, zur Wahl zu gehen, Dinge zu hinterfragen und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten gesellschaftlich einzubringen – „denn Demokratie ist nichts selbstverständliches – sie lebt von uns allen.“

Der Direktor beim Landtag, Peter von Unruh, nahm dieses erfreut auf und ermunterte alle dazu Einfluss zu nehmen, wer im Plenarsaal sitzt: „Also geht wählen! Demokratie muss gelebt werden, sie lebt vom Mitmachen. Jeder sollte sich an der Stelle, die ihm besonders wichtig ist, auch einbringen.“