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Gedenken an Reichspogromnacht vor 80 Jahren

Freitag, 09.11.2018, 11:00 Uhr
Gedenkstunde zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht, Foto: Hessischer Landtag, H. Heibel, 2018

80 Jahre nach den Ausschreitungen gegen Juden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 - als Synagogen und Geschäfte im gesamten Deutschen Reich brannten, jüdische Friedhöfe verwüstet, Existenzen zerstört und Menschen getötet wurden – ist  nun in einer feierlichen und bewegenden  Gedenkstunde an dieses Ereignis, das den Auftakt zum Holocaust bildete, erinnert worden.

Landtagspräsident Norbert Kartmann beschwor in seiner Begrüßung die Bedeutung des Gedenkens. Der Gedenktag erinnere die Menschen an die unfassbaren und unmenschlichen Verbrechen, die unter der Herrschaft des Nationalsozialismus  begangen wurden und er diene zugleich als Warnung für zukünftige Generationen.

Ministerpräsident Volker Bouffier wies in seiner Rede darauf hin, dass der 9. November eine Art Schicksalsdatum sei, das unser Land bis heute präge. Der 9. November 1918, als Scheidemann die Republik ausrief „als Aufbruch zu etwas Neuem“, die Pogromnacht am  9. November 1938 „als absoluten Tiefpunkt unserer Geschichte“ und schließlich den 9. November 1989 als „Glückstag“, die Wiedervereinigung als „einen revolutionären Prozess ohne einen einzigen Schuss“.

In Hinblick auf die Pogromnacht sagte Bouffier „das Wichtigste ist der Mut der Demokraten“ und dieser Tag sei ein Appell an alle,  nicht gleichgültig zu sein und nicht  wegzuschauen: “Eine Ausgrenzung von Minderheiten werden wir nicht zulassen. Wir werden dem Antisemitismus und Rassismus auch weiterhin entschlossen den Kampf ansagen – mit allen Mitteln des Rechtsstaats.“ Juden dürften sich in diesem Land niemals mehr schutzlos fühlen!

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung durch ein Programm „Ihre Heimat bleibt die Musik“, das bekannte jüdische Komponisten und Textdichter aus den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen präsentierte.

Die Sängerin und Schauspielerin Dunja Rajter, der Sänger und Vorbeter Benjamin Maroko aus Frankfurt und Anna Kuperschmidt am Klavier machten dies ausdrucksstark und anrührend und zogen ihre Zuhörerschaft sichtlich in ihren Bann.

Eva-Maria Klatt führte als Moderatorin durch das Programm und verwies darauf, wie sehr jüdische Künstler das kulturelle Leben in Deutschland immer  bereichert haben.

Ergreifend  berichtete sie von den Schicksalswegen der zu Gehör gebrachten jüdischen Musiker und Texter, deren Lebenswege ausnahmslos in die Emigration oder in den Tod geführt hatten.

Wie etwa das Geschick des Librettisten Fritz Löhner-Beda, der auch das bekannte „Buchenwald-Lied“ verfasst hatte, in dem die Zeile vorkommt „wir lassen den Mut uns nicht rauben“.

Er war von Buchenwald nach Auschwitz verbracht worden und dort nach schweren Misshandlungen 1942 gestorben. Auch seine Frau und die beiden dreizehn und vierzehn Jahre alten Töchter wurden in einem Vernichtungslager in Minsk 1942  ermordet.