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Hessischer Friedenspreis wird an Abiy Ahmed Ali verliehen

Dienstag, 27.08.2019, 12:00 Uhr
Pressekonferenz Hessischer Friedenspreis 2019. Foto: Hessischer Landtag, Kanzlei 2019

Der Hessische Friedenspreis wird am 23. September 2019 an den Ministerpräsidenten von Äthiopien, Abiy Ahmed Ali, verliehen.

Dies gaben der Präsident des Hessischen Landtags, Boris Rhein, das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Professor Dr. Nicole Deitelhoff, und der Vorsitzende des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, Staatsminister a. D. Karl Starzacher, heute in Wiesbaden bekannt.

„Wir ehren mit dem Hessischen Friedenspreis einen herausragenden Politiker Afrikas und wollen damit ein Zeichen für die Demokratie und den Frieden setzen“, so Landtagspräsident Rhein zur Begründung.

Die Kuratorinnen und Kuratoren überzeugte Abiy Ahmed Alis herausragende Leistung für einen historischen Friedensschluss mit dem Erzfeind Eritrea. Ein 20 Jahre dauernder Konflikt, der ungefähr 100.000 Menschen das Leben gekostet hat und auch in den vergangenen Jahren immer wieder aufgeflammt ist, scheint zu einem friedlichen Ende zu kommen. Ein Versöhnungsprozess zwischen den beiden Staaten birgt Chancen für die Gesellschaften beider Staaten und die Region Ostafrika. Diese bedeutenden Entwicklungen und die daraus entstehenden Chancen für eine friedliche Zukunft sind es wert, ausgezeichnet zu werden.

„Abiy Ahmed Ali ist einer der großen Hoffnungsträger auf dem Afrikanischen Kontinent. Wir wollen sein Engagement für den Frieden mit dem Hessischen Friedenspreis auszeichnen und zugleich weiter befördern“, sagte Kuratoriumsmitglied Professor Dr. Nicole Deitelhoff von der HSFK.

Der Friedensschluss und eine darauf aufbauende Versöhnung der beiden Nachbarstaaten wecken Hoffnungen auf eine Stabilisierung der ganzen Region.

Auch innenpolitisch sind die von Abiy Ahmed Ali eingeleiteten Veränderungen bemerkenswert: Seitdem Kaiser Haile Selassie im Jahr 1974 gestürzt worden war, gab es keinen Regierungswechsel im Land ohne Blutvergießen. Die seit 1991 regierende Einheitspartei „Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker“ (EPRDF) ist eng mit dem äthiopischen Staat verwoben, kontrolliert alle Ebenen des föderalen Systems und hat immer wieder auf Repression gesetzt. Auch Abiys Regierung wird von dieser Koalition getragen, hat aber in den letzten anderthalb Jahren bedeutende Fortschritte in der politischen und wirtschaftlichen Liberalisierung des Landes erzielt. Die in Folge der Verleihung des hessischen Friedenspreises gesteigerte öffentliche Aufmerksamkeit könnte als Mahnung wirken, nun nicht innezuhalten, sondern diese innenpolitischen Reformen weiter friedlich und integrativ voranzutreiben.

Abiy Ahmed Ali, geboren 1976 im äthiopischen Beshasha wurde im April 2018 zum Ministerpräsidenten Äthiopiens gewählt. Er gehört der ethnischen Gruppe der Oromo an, die sich lange als marginalisiert im politischen System Äthiopiens wahrgenommen haben. Er ist der erste Oromo, der Ministerpräsident wurde.

Der ehemalige Soldat der äthiopischen Armee hat Computer- und Kommunikationstechnik, Kryptographie, Transformational Leadership und Business Administration studiert und 2017 den Doktorgrad in Management and Leadership von der University of Addis Abeba erhalten. Er diente unter anderem im eritreisch-äthiopischen Grenzkrieg von 1998 bis 2000. Von 2007 bis 2010 war er stellvertretender Direktor der Information Network Security Agency (INSA), einer geheimdienstlichen Behörde, die die Telekommunikation und das Internet in Äthiopien überwacht.

Seit 2010 ist er Mitglied des äthiopischen Parlaments, von 2015 bis 2016 war er Wissenschaftsminister des Landes. Er gehört der politischen Fraktion der „Demokratischen Organisation des Oromovolkes“ (OPDO) an, die Teil der regierenden Einheitspartei EPDRF ist. Seit März 2018 ist er Vorsitzender der EPRDF. Mit 42 Jahren ist er der jüngste Regierungschef Afrikas.

Information:

Der Hessische Friedenspreis und das zugehörige Kuratorium wurden 1993 vom ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald gegründet. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Mitglieder des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, vergeben von der Albert Osswald-Stiftung, sind:

  • Karl Starzacher, Vorsitzender des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, Staatsminister a.D.
  • Norbert Kartmann, Präsident a.D. des Hessischen Landtags
  • Heike Habermann, Vizepräsidentin a.D. des Hessischen Landtags
  • Peter von Unruh, Direktor beim Hessischen Landtag
  • Veronika Winterstein, Vizepräsidentin a.D. des Hessischen Landtags
  • Professor Dr. Nicole Deitelhoff, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung
  • Professor Dr. Ursula Schröder, Wissenschaftliche Direktorin des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg
  • Professor  Dr. Conrad Schetter, Wissenschaftlicher Direktor des Bonn International Center for Conversion (BICC)
  • PD Dr. Ines-Jacqueline Werkner, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft, Institut für interdisziplinäre Forschung
  • Michaela Jäckel-Osswald, Großnichte von Albert Osswald

 

Die Preisverleihung findet am Montag, dem 23. September, um 11.00 Uhr, im Musiksaal im Stadtschloss des Hessischen Landtags statt.

Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger des Hessischen Friedenspreises:

1994                 Marianne Heiberg-Holst, Norwegen
1995                 John Hume, Nord-Irland
1996                 Gregorio Rosa Chavez, El Salvador
1997                 Hans Koschnick, Deutschland
1998                 Alexander Lebed, Russland
1999                 George J. Mitchell, USA
2000                 Martti Ahtisaari, Finnland
2001                 Max von der Stoel, Niederlande
2003                 Lakhdar Brahimi, Algerien
2004                 Hans Blix, Schweden
2005                 Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama
2006                 Daniel Barenboim, Israel
2007                 Christian Schwarz-Schilling, Deutschland
2008                 Sam Nunn, USA
2009                 Dekha Ibrahim Abdi, Kenia
2010                 Ismail Khatib, Palästina
2011                 Sadako Ogata, Japan
2012                 Elisabeth Decrey Warner, Schweiz
2013                 Dr. Muhammad Ashafa und Dr. James Wuye, Nigeria
2014                 Rubem César Fernandes, Brasilien
2015                 Ella Mikhaylovna Polyakova, Russland
2016                 Federica Mogherini, Italien
2017                 Carla del Ponte, Schweiz
2018                 Prof. Dr. Şebnem Korur Fincancı, Türkei