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Hessischer Friedenspreis 2018 wird an Sebnem Korur Fincancı verliehen

Donnerstag, 01.11.2018, 13:00 Uhr
Pressekonferenz zur Verleihung des Hessischen Friedenspreises 2018. Foto: Hessischer Landtag, Kanzlei 2018

Der Hessische Friedenspreis wird am 28. November 2018 an die türkische Ärztin Prof. Dr. Sebnem Korur Fincancı verliehen.

Dies gaben der Präsident des Hessischen Landtags, Norbert Kartmann, das geschäftsführende Vorstandsmitglied der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Professor Dr. Nicole Deitelhoff, und der Vorsitzende des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, Staatsminister a. D. Karl Starzacher, heute in Wiesbaden bekannt.

Die Kuratorinnen und Kuratoren überzeugte Sebnem Korur Fincancı mit ihrem Einsatz für die Aufarbeitung von Folter und Menschenrechtsverletzungen in der Türkei. Mit der Verleihung des Hessischen Friedenspreises wird sie für ihr großes Engagement für den Frieden, die Wahrung der Menschenrechte und ihren Beitrag zu Wiedergutmachung und Konfliktbewältigung ausgezeichnet.

Die Laudatio wird Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, emerit. Bischof und früherer Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD), halten.

Sebnem Korur Fincancı wurde 1959 in Istanbul geboren. Nach dem Studium der Medizin, u.a. an der Universität Istanbul, arbeitete sie als Gerichtsmedizinerin und ist derzeit Professorin für Forensik an der Universität Istanbul. Sie ist Vorsitzende der Menschenrechtsstiftung der Türkei (TIHV), eine international führende Expertin zur Folterdokumentation, ehemaliges Mitglied im Exekutivausschuss des International Rehabilitation Council for Torture Victims (IRCT) und eine der Hauptautorinnen des „Istanbul Protokolls“, dem internationalen Standardwerk zur Untersuchung und Dokumentation von Folterspuren. Fincancı setzt sich seit vielen Jahren unter schwierigsten politischen Bedingungen für die Dokumentation von Folter und die Rehabilitation von Folteropfern ein und ist eine der führenden Friedens- und Menschenrechtsaktivistinnen in der Türkei. Sie wurde in ihrer Funktion als Präsidentin der Menschenrechtsstiftung in ihrem Heimatland zeitweise wegen des Vorwurfs der Propaganda für eine terroristische Organisation verhaftet.

Sebnem Korur Fincancı widmete sich mit großem Engagement der Dokumentation und Aufklärung von Folter und Menschenrechtsverletzungen. Mit ihren Arbeiten zeigt sie die hohe Bedeutung evidenzbasierter medizinischer Forschung für die Verwirklichung von Frieden, Wiedergutmachung und konstruktiver Konfliktbearbeitung. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht insbesondere die Frage, wie sich physische und psychische Folter erkennen und dokumentieren lässt. Dies ist nicht nur für eine angemessene medizinische und therapeutische Versorgung der Opfer von größter Wichtigkeit, sondern auch Voraussetzung für die juristische Verfolgung und politische Aufarbeitung der Taten. Erst der systematische Nachweis von Folterspuren schafft die Voraussetzung für die Wahrung von Frieden und die Hoffnung auf Versöhnung. Wegweisend hierfür ist Şebnem Korur Fincancıs Arbeit am „Istanbul-Protokoll“, das internationale Standards zur Untersuchung und Dokumentation von Folter geschaffen hat.

 

Information:

Der Hessische Friedenspreis und das zugehörige Kuratorium wurden 1993 vom ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald gegründet. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Mitglieder des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, vergeben von der Albert Osswald-Stiftung, sind:

  • Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung
  • Heike Habermann, Vizepräsidentin des Hessischen Landtags
  • Norbert Kartmann, Präsident des Hessischen Landtags
  • Professor Dr. Conrad Schetter, Wissenschaftlicher Direktor des Bonn International Center for Conversion (BICC)
  • Professor Dr. Ursula Schröder, Wissenschaftliche Direktorin des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg
  • Karl Starzacher, Vors. des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, Staatsminister a.D.
  • Peter von Unruh, Direktor beim Hessischen Landtag
  • PD Dr. Ines-Jacqueline Werkner, Institut für interdisziplinäre Forschung, Heidelberg
  • Veronika Winterstein, Vizepräsidentin des Hessischen Landtags a. D.

 

Die Preisverleihung findet am Mittwoch, dem 28. November, um 11.00 Uhr, im Musiksaal im Stadtschloss des Hessischen Landtags statt.

 

Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger des Hessischen Friedenspreises:

1994                 Marianne Heiberg-Holst, Norwegen
1995                 John Hume, Nord-Irland
1996                 Gregorio Rosa Chavez, El Salvador
1997                 Hans Koschnick, Deutschland
1998                 Alexander Lebed, Russland
1999                 George J. Mitchell, USA
2000                 Martti Ahtisaari, Finnland
2001                 Max von der Stoel, Niederlande
2003                 Lakhdar Brahimi, Algerien
2004                 Hans Blix, Schweden
2005                 Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama
2006                 Daniel Barenboim, Israel
2007                 Christian Schwarz-Schilling, Deutschland
2008                 Sam Nunn, USA
2009                 Dekha Ibrahim Abdi, Kenia
2010                 Ismail Khatib, Palästina
2011                 Sadako Ogata, Japan
2012                 Elisabeth Decrey Warner, Schweiz
2013                 Dr. Muhammad Ashafa und Dr. James Wuye, Nigeria
2014                 Rubem César Fernandes, Brasilien
2015                 Ella Mikhaylovna Polyakova, Russland
2016                 Federica Mogherini, Italien
2017                 Carla del Ponte, Schweiz