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Verleihung des Hessischen Friedenspreises 2019

Montag, 23.09.2019, 11:00 Uhr
Verleihung des Hessischen Friedenspreises 2019 an den Ministerpräsidenten von Äthiopien, Abiy Ahmed Ali, vertreten durch die Friedensministerin Muferihat Kamil. Foto: Hessischer Landtag, Kanzlei 2019. Fotograf: Hermann Heibel

Landtagspräsident Boris Rhein hat heute zur Verleihung des Hessischen Friedenspreises im Musiksaal des Hessischen Landtags zahlreiche Ehrengäste begrüßt und den diesjährigen Preisträger gewürdigt.

„Abiy Ahmed ist nicht nur ein Hoffnungsträger seines Landes, sondern auch des ganzen afrikanischen Kontinents. Er ist ein Friedensstifter, der in seiner Heimat einen langen und blutigen Konflikt beendet hat. Und er ist ein Reformer, der auf Bildung als wichtigen Faktor für die Weiterentwicklung in seinem Land setzt“, so Landtagspräsident Rhein in seiner Begrüßung.

Das Land befinde sich in einem positiven Aufbruch und Äthiopien habe die Chance, ein Vorbild für den afrikanischen Kontinent zu werden. Und diese Chance, diese große Hoffnung sei mit dem Namen Abiy Ahmed verbunden. „Wir wollen ein Zeichen für die Demokratie und den Frieden setzen und Abiy Ahmed bekräftigen, seinen Weg weiter zu verfolgen“, hielt Rhein zum Abschluss seiner Rede fest.

Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier würdigte Abiy Ahmed in seiner Laudatio: „Über 100 ethnische Gruppen leben in Äthiopien. Immer wieder kommt es deshalb zu Konflikten dort, die schon zahlreiche Menschenleben forderten. In diesem Land wuchs Abiy Ahmed als Sohn eines muslimischen Oromo und einer christlich-orthodoxen Amharin auf. Zwischen zwei Religionen und Ethnien. Vielleicht sind gerade dort die Gründe für seinen unbändigen Antrieb zu suchen, den er für den Frieden in seinem Land aufbringt. Als Ministerpräsident seines Landes hat er, gerade einmal drei Monate nach seinem Amtsantritt, mit dem Nachbarland Eritrea Frieden geschlossen. Da sowohl Äthiopien als auch Eritrea im somalischen Bürgerkrieg an der Seite rivalisierender Gruppierungen standen, besteht die Hoffnung, dass auch dortige verfahrene Situation von der Annäherung der Länder profitiert.  Abiy Ahmed will Frieden. Für sein Land und Ostafrika. Dafür leistet er Außerordentliches. Sein Veränderungs- und Gestaltungswille ist trotz der Rückschläge ungebrochen. Ich freue mich sehr, dass der Hessische Friedenspreis der Albert-Osswald-Stiftung, der in diesem Jahr zum 25. Mal vergeben wird, an den Ministerpräsidenten Äthiopiens, Abiy Ahmed, geht. Ihm und den Bürgerinnen und Bürgern Äthiopiens und Eritreas wünschen wir viel Kraft, Geduld und Erfolg auf dem Weg des Friedens.“

Der äthiopische Ministerpräsident konnte den Preis nicht selbst entgegennehmen und wurde durch die Friedensministerin seines Kabinetts Muferihat Kamil vertreten, die sich in seinem Namen bedankte. "Es ist eine große Ehre‎ für unseren Ministerpräsidenten Abiy Ahmed mit dem Preis ausgezeichnet worden zu sein. Wir haben viel erreicht in unserem Land, aber es liegen noch große Herausforderungen vor uns.‎ Wir wollen den Frieden in der Region sichern und die Entwicklung und die Förderung der Demokratie und des Wohlstands unserer Gesellschaft weiter betreiben. Der hessische Friedenspreis ist Ehre und Ansporn zugleich unsere Reformen weiter fortzusetzen", sagte die Ministerin in Vertretung von Ministerpräsident Abiy Ahmed.

 

Die Kuratorinnen und Kuratoren überzeugte Abiy Ahmed Alis herausragende Leistung für einen historischen Friedensschluss mit dem Erzfeind Eritrea. Ein 20 Jahre dauernder Konflikt, der ungefähr 100.000 Menschen das Leben gekostet hat und auch in den vergangenen Jahren immer wieder aufgeflammt ist, scheint zu einem friedlichen Ende zu kommen. Ein Versöhnungsprozess zwischen den beiden Staaten birgt Chancen für die Gesellschaften beider Staaten und die Region Ostafrika. Diese bedeutenden Entwicklungen und die daraus entstehenden Chancen für eine friedliche Zukunft sind es wert, ausgezeichnet zu werden.

Der Hessische Friedenspreis und das zugehörige Kuratorium wurden 1993 vom ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald gegründet. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Mitglieder des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, vergeben von der Albert Osswald-Stiftung, sind:

  • Karl Starzacher, Vorsitzender des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, Staatsminister a.D.
  • Boris Rhein, Präsident des Hessischen Landtags
  • Norbert Kartmann, Präsident a.D. des Hessischen Landtags
  • Heike Habermann, Vizepräsidentin a.D. des Hessischen Landtags
  • Peter von Unruh, Direktor beim Hessischen Landtag
  • Veronika Winterstein, Vizepräsidentin a.D. des Hessischen Landtags
  • Professor Dr. Nicole Deitelhoff, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung
  • Professor Dr. Ursula Schröder, Wissenschaftliche Direktorin des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg
  • Professor  Dr. Conrad Schetter, Wissenschaftlicher Direktor des Bonn International Center for Conversion (BICC)
  • PD Dr. Ines-Jacqueline Werkner, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft, Institut für interdisziplinäre Forschung
  • Michaela Jäckel-Osswald, Großnichte von Albert Osswald

Die Preisverleihung findet am Montag, dem 23. September, um 11.00 Uhr, im Musiksaal im Stadtschloss des Hessischen Landtags statt.

Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger des Hessischen Friedenspreises:

1994                 Marianne Heiberg-Holst, Norwegen
1995                 John Hume, Nord-Irland
1996                 Gregorio Rosa Chavez, El Salvador
1997                 Hans Koschnick, Deutschland
1998                 Alexander Lebed, Russland
1999                 George J. Mitchell, USA
2000                 Martti Ahtisaari, Finnland
2001                 Max von der Stoel, Niederlande
2003                 Lakhdar Brahimi, Algerien
2004                 Hans Blix, Schweden
2005                 Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama
2006                 Daniel Barenboim, Israel
2007                 Christian Schwarz-Schilling, Deutschland
2008                 Sam Nunn, USA
2009                 Dekha Ibrahim Abdi, Kenia
2010                 Ismail Khatib, Palästina
2011                 Sadako Ogata, Japan
2012                 Elisabeth Decrey Warner, Schweiz
2013                 Dr. Muhammad Ashafa und Dr. James Wuye, Nigeria
2014                 Rubem César Fernandes, Brasilien
2015                 Ella Mikhaylovna Polyakova, Russland
2016                 Federica Mogherini, Italien
2017                 Carla del Ponte, Schweiz
2018                 Prof. Dr. Şebnem Korur Fincancı, Türkei